Gedruckte Ärgernisse – heute: Rassismus in Reinkultur

 

Leicht ließe sich „Dschungelkind“ als gründlich missglückter und obendrein miserabel lektorierter Erstling einer weitgehend talentfreien Autorin abtun, dessen Grammatik-Fehler und zahlreichen misslungenen Metaphern die Lektüre zur Qual oder – je nach Sichtweise – zur Lachnummer machen.

Allerdings verbirgt sich hinter dem scheinbar naiven Geplapper und der ostentativ infantilen Weltsicht der Autorin ein Rassismus, der für zeitgenössische Veröffentlichungen bemerkenswert ist.

Der Plot ist simpel: Mehrere Buschmänner-Stämme drohen einander in ewiger Fehde auszurotten; denn obwohl sie sich danach sehnen, sind sie bedauerlicherweise zu blöd, Frieden zu schließen. Erst dem – selbstverständlich weißen, selbstverständlich christlichen – Missionar gelingt es, die verfeindeten – und selbstverständlich schwarzen, selbstverständlich abergläubischen – Wilden zu versöhnen.

Mit genau dieser Fama vom unmündigen Neger, der – einem Kleinkind gleich – vom weißen Mann erzogen werden müsse,  haben Europäer über Generationen ihren Kolonialismus rechtfertigt.

Wer bislang dachte, eine solche Weltsicht gäbe es allenfalls noch in dunkelbraunen Ecken Deutschlands oder im Bible Belt der USA, wird von Sabine Kuegler eines Besseren belehrt: Verbrämt als harmlose „Kindheitserinnerungen“ liefert sie Rassismus in Reinkultur – und landet damit erschreckenderweise einen Mainstream-Bestseller. (lpe)

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