Entgleisung 1

Köln-Süd, 7.19h | Prognose: Sonnig, 31°. Ein schönes Versprechen für den Tag. Aber ich habe Pech – in diesem Moment im Regionalexpress 5 nach Düsseldorf. Am Gleis 4 zunächst alles wie gewohnt. Die üblichen *haltinkoelnmuelheim* Gesichter sind wieder da, lesen ihre Handys, tragen Taschen, Kabel hängen aus Ohren. Der RE5 fährt ein, ich finde im Doppeldecker unten einen Platz. Es ist leise im Wagen, ich werde lesen können. Am Hbf Köln der große Austausch – der halbe Zug steigt aus, die doppelte Menge steigt ein. Leider auch *naechstestationleverkusenmitte* zwei Laberköpfe im Zweiersitz hinter mir. Das Lesen breche ich bald ab. Verstehe die Bedeutung der Buchstabenkombinationen nicht mehr, setze immer wieder neu an, aber es geht einfach nicht. Sklave meiner Ohren muss ich den Laberbacken hinter mir zuhören. Warum eigentlich? Nichts von dem Stuss, den sie sabbern, ist für mich von Interesse. Dämliches Gelaber, dümmliches Gekichere, hohle Phrasen – aber ich muss zuhören: „Ich muss dann immer nach Köln-Messe/Deutz und das wird dann zu knapp für mich“, „Ich habe manchmal diese Rückenschmerzen“ oder „Ich glaube nicht, dass die bei MäcDoof irgendetwas Gesundes haben“… Na und? Wen interessiert das? Weiter hinten *naechstestationdüsseldorfbenrath* quatscht eine mir Unsichtbare in ihr Handy – „Und was steht heute bei dem schönen Wetter noch an?“ ‚Am liebsten würde ich Dir das Scheiß-Telefon jetzt in den Arsch schieben, Du blöde Sau!‘ 

lied8_20160824_Bismarck

Als ich heute morgen gegen 7.00h die Wohnung verlassen wollte, kam ich am großformatigen Abrisskalender im Flur vorbei. Den haben wir Silvester vom Gastgeber der Party geschenkt bekommen. Das ist einer mit schlauen Sprüchen von Promis – Memes von früher. Heute Otto von Bismarck: „Ein bisschen Freundschaft ist mir *ausstieginfahrtrichtungrechts*


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.